Benediktshof Münster

Impuls zum 4ten Sonntag der Osterzeit von Birgit Kraft

„In der Stimme Jesu Christi, in Seinem Sein und Tun, wird das Wesen der Liebe Gottes von Herz zu Herz hörbar und von Auge zu Auge lesbar“  Irmintraud F. Eckard

Evangelium nach Johannes 10 1
Amen, amen, ich sage euch: Wer in den Schafstall nicht durch die Tür hineingeht, sondern anderswo einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Wer aber durch die Tür hineingeht, ist der Hirt der Schafe. 3 Ihm öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen und führt sie hinaus. 4 Wenn er alle seine Schafe hinausgetrieben hat, geht er ihnen voraus und die Schafe folgen ihm; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, weil sie die Stimme der Fremden nicht kennen. 6 Dieses Gleichnis erzählte ihnen Jesus; aber sie verstanden nicht den Sinn dessen, was er ihnen gesagt hatte. 7 Weiter sagte Jesus zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir kamen, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben nicht auf sie gehört. 9 Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird einund ausgehen und Weide finden. 10 Der Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten; ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Liebe Weggefährtinnen und Weggefährten,
zunächst möchte ich Euch dazu einladen, das heutige Evangelium, die Bewegungen des Geschehens dort, meine Impulse und besonders Eure eigenen Gefühle und Gedanken in der Haltung einer „lächelnden Spiritualität“ aufzunehmen, damit alles durchdrungen, durchwebt wird in der Liebesbewegung Eures Herzens.
Setzt Euch dazu bequem und aufrecht hin, lasst Euren Atem ruhig kommen und gehen. Nun übt mit offenen Augen die „Spiritualität des Lächelns, deines Lächelns“, indem Ihr die Mundwinkel bewusst ganz leicht anhebt und Eure Wangen soweit „liftet“, dass Ihr sie unterhalb der Augen deutlich spürt. In dieser Haltung lest jetzt (vielleicht noch einmal?!) das Evangelium und den Impuls (auch ich versuche, diesen Impuls mit einem spirituellem Lächeln für Euch zu schreiben).
Also, ich weiß ja nicht, wie es Euch dabei ergeht, aber ich kann mich immer schlechter mit dem Bild eines Schafes identifizieren. In meinen Bewertungen erhält es nicht gerade die wohlwollendsten Eigenschaften. Auch wenn ich mich manchmal wie ein kurzsichtiges, gutgläubiges, ängstliches Schäflein benehme – ich bin mir immer mehr meiner Würde als Mensch, als Frau bewusst, als Tabernakel und Tempel des Göttlichen.
Doch wenn ich mir die Bedeutung der Schafe zu Zeiten der Hebräer klarmache, entsteht ein anderes Bild: da sie die Existenzgrundlage der Hirten bildeten, waren sie kostbare, wertvolle und von daher schützenswerte Lebewesen.

Die Voraussetzung, dass Schafe sich beschützt fühlen können, ist das wiederholte Hören der vertrauten Stimme ihres Hirten. Erst dann können sie vertrauen und vor allem hören, dass sie bei ihrem Namen gerufen werden, jedes in seiner Einzigartigkeit. Erst dann kann eine Freundschaft, eine vertrauensvolle Basis der Begegnung entstehen und gestaltet werden.

(Lest Ihr immer noch mit der (Spiritualität des Lächelns? ;-)

 

Hand aufs Herz: ist uns Jesu Stimme so vertraut,

  • dass wir ihren Klang, ihre Botschaft heraushören können aus der lauten, medialen Beschallung?
  • dass wir sie auch in den Krisenberichten hören?
  • dass wir sie unterscheiden können von den verführerischen, betörenden Stimmen in uns und um uns herum?
  • und dass, wenn wir sie hören, unser Hören auch Folgen hat? Wenn wir uns die Zeit nehmen, Jesu Stimme immer hörbarer in uns zu machen, wenn wir unsere Herzen immer mehr weiten für Seine lebensspendenden Botschaften, dann werden wir immer mehr in die Freundschaft mit Jesus Christus hineinwachsen, in ein Christusbewußtsein, das unseren Herzen innewohnt. Davon bin ich überzeugt!

(Lest Ihr immer noch in der „Spiritualität Eures Lächelns?) ;-)

 

In diesem Christusbewußtsein sind wir alle eingeladen, am heutigen Tag der „geistlichen Berufe“, unsere eigene geistliche Berufung und Befähigung in unseren göttlichen Herzen zu entdecken und weiter auszugestalten, um in dieser Geistkraft Mitmenschen und auch uns selbst zu einem Leben in Fülle zu verhelfen - schon hier und jetzt, inmitten aller Bedrohungen, Unsicherheiten und Krisen.

Zum Schluss möchte ich Euch dazu einladen, das Lied
„Eines Tages kam einer, der hatte einen Zauber in seiner Stimme“ zu singen…
Eines Tages kam einer, er hatte einen Zauber in seiner Stimme, eine Wärme in seinen Worten, einen Charme in seiner Botschaft.
Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen, eine Freiheit in seinem Handeln, eine Zukunft in seinen Zeichen.
Eines Tages kam einer, der hatte eine Hoffnung in seinen Wundern, eine Kraft in seinem Wesen, eine Offenheit in seinem Herzen.
Eines Tages kam einer, der hatte einen Vater in den Gebeten, einen Helfer in seinen Ängsten, einen Gott in seinen Schreien
Eines Tages kam einer, der hatte einen Geist in seinen Taten, eine Treue in seinen Leiden, einen Sinn in seinem Sterben.
Eines Tages kam einer, der hatte einen Schatz in seinem Himmel, ein Leben in seinem Tode, eine Auferstehung in seinem Grabe.
Text: A. Albrecht   Musik: Peter Janssens

 

… und, verweilend in Eurer „Spiritualität des Lächelns“, könnt Ihr folgenden Text inwendig (immer wieder?!) lesen/beten:

Es ist dein Wort,
dein leises,
das mich trifft und trägt.
Sprich es in mir
von Angesicht zu Augenblick
und lass mich hören
Herz an Ohr,
was für mich gut und heilsam ist.
So ist gesagt die ganze Welt,
und ich bin still.

Du,
der meine Freude weckt
und das Jauchzen meiner Sinne,
wenn der Klang deiner Stimme
die Luft erfüllt,
rühre mich an, Geliebter,
und das Lied der Stille
schwingt hinauf
zu den Wohnungen der Heiligen,
zerreißt die Nacht
und glitzert wie Tau
auf meinen Wimpern.
Atme Freiheit, Seele,
und tanze in den Morgen
durch den Dunstschleier Hoffnung.

Der Klang deiner Stimme
weckt neue Lieder der Freude.
Die Farbe deiner Augen
spiegeln sich in den Bildern der Hoffnung.
Der Duft deiner Nähe
verströmt sich im Lächeln der Kinder.
Die Berührung deiner Hand
heilt und stärkt das Leben derer,
die dich suchen.
Wo bist du, Jesus,
dass ich dich höre,
schaue, atme und ertaste?
Du bist mein Leben – in Fülle.
Irmintraud F. Eckard

Und ein allerletzter Gedanke: bei diesem Evangelium springt mir der Psalm 23 ins Herz, der uns alle, vielleicht „inwendig“ gelernt, in der kommenden Woche Halt, Orientierung und Vertrauen schenken kann:

Psalm 23

Der gute Hirt
1 [Ein Psalm Davids.]Der Herr ist mein Hirte, / nichts wird mir fehlen.
2 Er lässt mich lagern auf grünen Auen / und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
3 Er stillt mein Verlangen; / er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen.
4 Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, / ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, / dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.
5 Du deckst mir den Tisch / vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, / du füllst mir reichlich den Becher.
6 Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang / und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.

Von ganzem Herzen wünsche ich Euch eine wundererfüllte, pralle, stille, gesunde, zuversichtliche und vertrauensvolle Woche – Birgt Kraft