Benediktshof Münster

Vorträge, Predigten, Rundbriefe

6. Sonntag der Osterzeit

Einleitung

Liebe Weggefährten und Weggefährtinnen, Abschiednehmen fällt schwer. Abschiednehmen tut weh. Abschied wirft Fragen auf und macht unsicher. Wer zurückbleibt, muss sich neu sortieren, braucht möglicherweise Beistand, Unterstützung oder wenigstens ein Versprechen sich wiederzusehen, einander nicht aus dem Auge, aus dem Herzen zu verlieren. Als wir vor der Corona-Krise den letzten Gottesdienst life auf dem Benediktshof gefeiert haben, wussten wir noch nicht, dass es ein Abschied für lange Zeit ist. Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen beim Gottesdienst. Als ich letzte Woche den ersten Werktags-Gottesdienst nach langer Zeit auf dem Benediktshof gefeiert habe, merkte ich wie kostbar das Wiedersehen war. Wir hoffen bald auch wieder Sonntags Gottesdienst dort feiern zu können, bis dahin gibt es weiter Impulse zum Sonntag zu Hause, so auch heute. Wir leben in der Zeit zwischen Ostern und Christi Himmelfahrt und hören Texte aus der Abschiedsrede Jesu an seine Jünger. Sie sollen helfen, den Abschied Jesu, nicht als Katastrophe zu verstehen, sondern als Herausforderung und Chance. Frage Dich doch einmal:
Welcher Abschied ist mir in besonderer Erinnerung? Wo musste ich mich verabschieden? Von was oder wem? Was hat mir geholfen?

Tagesgebet

Gott der Liebe,
durch Jesus, deinen Sohn, haben wir die Kraft der Liebe neu erfahren.
Sie hat ihn mit den Menschen verbunden und ihnen Mut gemacht.
In seinem Tod hat die Liebe ihn gehalten, in seiner Auferstehung zeigt sie sich als Kraft,
die stärker ist als der Tod.
Gib uns in diesen österlichen Tagen neu diese Lebenskraft.
Berühre uns im tiefsten Inneren mit deiner Liebe, dass wir in deinem Geist leben und wirken können,
auch glauben und zweifeln.
Dass wir in deinem Geist – wie Jesus – Menschen beistehen und Mut zum Leben geben können.
Das bitten wir dich, den dreifaltigen Gott, der du lebst und liebst in Zeit und Ewigkeit. Amen.

Biblischer Text

Aus dem Evangelium nach Johannes (Joh. 14, 15-20)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.

Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben,
der für immer bei euch bleiben soll,
den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt.
Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.

Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen. Ich komme zu Euch.
Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr, ihr aber seht mich,
weil ich lebe und auch ihr leben werdet.
An jenem Tag werdet ihr erkennen:
Ich bin in Vater,
ihr seid in mir und
ich bin in euch.

Gedanken zum Evangelium

Allein sein, dass ist ein großes Problem für manche Menschen in diesen Tagen. Allein sein in der Wohnung in Zeiten der Quarantäne ohne dass Kinder, Enkel, Freunde kommen; allein sein im Altenheim mit Besuchs-Verbot allein sein im Krankenhaus, ohne dass Besuch kommen kann, dessen ermutigende Nähe man doch gerade jetzt braucht, den Händedruck mit den Worten: „Ich denk an Dich!“ oder die Umarmung mit dem Satz: „Es wird alles gut!“ Worte und Zeichen der Liebe, der Verbundenheit und Wertschätzung. Und am schlimmsten ist es wohl, wenn in diesen Tagen jemand stirbt, ohne dass seine Angehörigen dabei sein können. Wenn ich davon höre, ahne ich nur, was dass bedeutet und stelle mir vor, wie es gewesen wäre, wenn mein Vater der vor 1 ½ Jahren starb in dieser Zeit ohne seine Kinder und Enkel am Bett hätte sterben müssen, oder wie hart es für uns gewesen wäre, zu wissen, dass er in einem Krankenhaus oder Altenheim liegt und stirbt, ohne dass wir bei ihm sein können. Bei allem Verständnis für Vorsorge und Schutzmaßnahmen denke ich: Das ist unmenschlich! Gott sei Dank wurden ja in manchen Häusern in solchen Fällen Ausnahmen gemacht.

Wissend, um das kommende Gefühl des Alleinseins nach seinem Tod, möchte Jesus bei seinen Jüngern Worte hinterlassen, an die sie sich in dieser schweren Zeit erinnern und die ihnen helfen sollen: „Ich lasse Euch nicht als Waisen zurück!“ Der Vater, der mich zu Euch geschickt hat, wird euch einen anderen Beistand schicken, der bei Euch bleibt und in Euch sein wird.

Wie oft schon habe ich mich in der Meditation solchen Gedanken geöffnet, dass er in mir ist, bleibend und wie oft schon habe ich den göttlichen Funken, das göttliche Licht in mir wärmend und erhellend gespürt, wohl wissend, dass es auch die anderen Tage gibt. „Ihr seid in mir und ich bin in Euch“. Bei diesen Worten Jesu muss ich unwillkürlich an Pater Ludolf denken, wie er mir die ersten Atemworte beibrachte: „Du in mir“ beim Einatmen und „Ich in Dir“ beim Ausatmen. Das ist es, dachte ich damals, diese Verbindung durch den Lebensatem . Ist der Hl. Geist, den wir in Kürze an Pfingsten feiern nicht so etwas wie Lebens-Atem? Und wenn ich zu mir und zum inneren Frieden gefunden habe, wenn ich in mir diese göttliche Kraft gespürt habe, an ihren Energiestrom andocken konnte, dann schaue ich auch anders auf meine Weggefährten, in denen ja auch dieser göttliche Atem lebt, spüre Ehrfurcht und Verbundenheit.

„Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in Euch“. Diese Worte Jesu sprechen von mehr als von einer Dreiecks-Beziehung, aber dieses „mehr“ ist nur schwer in Worte zu fassen. Manches muss man einfach spüren. Es ist nicht zu begreifen, weder mit Händen noch mit dem Verstand.

Als Jesus diese Worte sprach, war ihm klar, dass er bald aus dieser Welt gehen würde. Es sind Worte seiner Abschieds-Rede an die Jünger vor seinem Tod. Warum hören wir sie in der Osterzeit? Ich denke, weil sie erst auf dem Hintergrund von Ostern ihre wirkliche Kraft und Tiefe entfalten. Und im Blick auf Christi Himmelfahrt wird mir klar, dass ist kein Abschieds-Fest, sondern ein Fest an dem diese Verbundenheit deutlich wird: Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus wurde der Himmel geerdet und uns wurde klar gemacht, dass wir Gott in uns und unter uns finden können. In der Rückkehr Jesu zum Vater wird die Erde gehimmelt, weil seine irdischen Erfahrungen und damit unsere irdische Existenz und Verbundenheit mit ihm ans Ziel kommt und ich merke, dass ich noch lange brauche, um zu begreifen, was das bedeutet. Oder sollte ich mich diesem Geheimnis einfach in der Meditation öffnen und mich so in den Raum begeben, in dem es erfahrbar ist?

 

Impuls

Schließe die Augen und lasse kommen, was in der Stille kommen will und spüre das Göttliche in Dir, in Leib, Geist und Seele.


Lied: Komm heilger Geist (Gotteslob Nr. 788 )

Refr.: Komm heilger Geist mit deiner Kraft, die uns verbindet und leben schafft.

  1. Wie der Vater in ihm wirkte und als Kraft zu Menschen kam, so kann uns sein Geist erfüllen weil er in uns Wohnung nahm. Refr.
  2. Wie der Atem uns durchströmet, Leben kommt und leben geht, so lass uns den Rhythmus finden, den du Geist uns Menschen lehrst. Refr.
  3. Wie der Funke sich entzündet und als Licht sich breitet aus, so sollst Du in unsrer Stille spürbar sein in unsrem Haus. Refr.
  4. Wie das Feuer sich verbreitet und die Dunkelheit erhellt, so soll uns dein Geist ergreifen, umgestalten unsre Welt. Refr.
  5. Wie der Sturm so unaufhaltsam, dring in unser Leben ein, nur wenn wir uns nicht verschließen, können wir deine Kirche sein. Refr
  6. Schenke uns von deiner Liebe, die vertraut und die vergibt, alle sprechen eine Sprache, wenn ein Mensch den andern liebt. Refr
  7. Lass uns so verbunden leben, Weggefährten in der Zeit, bis wir dann vom Geist geleitet, finden in die Ewigkeit. Refr.

Wenn ihr im Gotteslob nur die 4.-6. Strophe findet, liegt das daran, dass mir die anderen vier beim Aufschreiben der Gedanken spontan kamen, und ich sie einfach dazu geschrieben habe. Sie atmen etwas vom Geist unserer Statio).

Fürbitten

Entweder du vertraust hier einfach die Menschen Gott an, mit denen Du in Liebe verbunden bist oder die dir als Weg-Gefährten und -Gefährtinnen wichtig sind,
vielleicht auch einfach die, mit denen Du sonst am Benediktshof Gottesdienst gefeiert hast oder du betest die folgenden Gedanken:

Jesus Christus, du hast uns versprochen, uns nicht als Waisen zurückzulassen. Wir hoffen auf den Geist, den du uns verheißen hast.
Deshalb bitten wir:

Wir beten für alle, die ihren Lebensmut verloren haben, die keine Hilfe erfahren, die sich aufgegeben haben,
     für alle, die sich in diesen Zeiten einsam fühlen, verunsichert oder krank sind.

Wir beten für alle, die um ihren Glauben ringen, die nach der Wahrheit suchen, die neue Wege des Glaubens
     gehen wollen und der Kirche neue Glaubwürdigkeit verleihen.

Wir beten für alle, die Ungerechtigkeit erfahren, die unter Lieblosigkeit leiden,
     die sich als Opfer erleben oder um ihre Existenz bangen.

Wir beten für alle, die das große Wort führen, die mit ihren Botschaften manipulieren,
     die die Wahrheit verdunkeln.

Wir beten für alle, die Liebe zu leben versuchen, die das Wagnis des Vertrauens eingehen, die Vorurteile
     ablegen, sich für deine Schöpfung einsetzen oder mit aller Kraft nach Impfstoffen und Medikamenten
     zur Beendigung der Pandemie suchen.

Gott, du bist ein Gott der Lebenden und der Toten. Lass alle Lebenden deine Liebe immer wieder neu erfahren und gewähre unseren Verstorbenen deine Liebe in der ganzen Fülle – jetzt schon und am Ende der Zeit auf ewig. Amen.

 

Schlussgebet

Gott, du bist Geist, und wir dürfen dich im Geist und in der Wahrheit finden und anbeten.
Wir danken dir für deine Nähe im Wort und in der Gemeinschaft, die wir erfahren dürfen.
Bleibe du in uns, dann bleiben wir in dir.
Segne du uns, dass wir zum Segen werden jenen, die deiner Liebe am meisten bedürfen.
Das erbitten wir durch Christus, unseren Bruder und Herrn, der mit dir lebt und liebt in alle Ewigkeit.
Amen.

Segen

Es segne Dich Gott, der Schöpfer der Welt, der auch dir das Leben schenkte.

Es segne Dich Gott, der Sohn, der deine Gestalt annahm
und wie Du mit Leib Geist und Seele in dieser Welt lebte,
um in ihr göttliche Spuren zu hinterlassen.

Es segne Dich Gott der Heilige Geist, der dich durchströmt wie der Atem,
der dich öffnet und verbindet und so zum Leben führt.

Es segne Dich und alle, mit denen Du verbunden bist der Vater, Sohn und Heilige Geist. Amen


Lied: „Veni Sancte Spiritus“ aus Taizé